17.06.2010

SPD-Kulturpolitikerin Sandra Russo stößt Zusammenarbeit zwischen Staatstheater Darmstadt und freier Szene an

Logo des Kulturforums

„Es ist besser, ein einziges Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen“
Erstmals gibt es in Darmstadt eine Kooperation zwischen dem Staatstheater Darmstadt und der freien Theaterszene. Die SPD-Stadtverordnete Sandra Russo, Mitglied des städtischen Kulturausschusses und Vorsitzende des Darmstädter Kulturforums der Sozialdemokratie, hatte bei den Verantwortlichen des Staatstheaters erfolgreich um Unterstützung geworben. Sandra Russo, einst selbst gut zwanzig Jahre auf der Theaterbühne zuhause, hat vor ihrem Engagement in der Darmstädter Kulturpolitik selbst ein Theater betrieben, kennt also beide Seiten der Medaille: Die Nöte der freien Theaterszene ebenso wie die Zwänge der Kommunalpolitik in Zeiten leerer Kassen.
Künftig wird das Staatstheater der freien Theaterszene in Darmstadt Ausstattungsstücke abgespielter Stücke anbieten, ein erstes Treffen stieß auf großes Interesse, auch wenn das Staatstheater nicht alle Wünsche erfüllen kann.


„Ich möchte mit meiner Initiative ein Zeichen setzen und zeigen, dass es Kooperationen sehr wohl geben kann“, erläuterte die SPD-Stadtverordnete ihre Idee. Sie dankte dem Intendanten des Staatstheaters, John Dew und dem geschäftsführenden Direktor, Jürgen Pelz, für deren Unterstützung. „Es ist besser, ein einziges Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen“, zitierte Russo Konfuzius. Ein Zitat, was ihr auf einer Einladung des Darmstädter Theaterlabors aufgefallen war. „Das beschreibt sehr gut das Signal, was ich mit meiner Initiative setzen möchte!“

FAZ

 

Zahl der Nachtflüge ungewisser denn je Vor zehn Jahren war das Nachtflugverbot nur eine von vier Bedingungen für den Ausbau des Frankfurter Flughafens – inzwischen beherrscht es die Diskussion. Etwas mehr Klarheit ist nach dem Spruch des Bundesverwaltungsgerichts zu erwarten: Teil 2 der Fluglärm-Serie. Von Helmut Schwan http://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/epaper/img/space.gifhttp://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/epaper/img/space.gif

Rhein-Main. Der Mensch wache jede Nacht etwa zwanzigmal auf, sagen Schlafforscher. Meist kann er sich aber am nächsten Morgen nicht mehr daran erinnern. Es sei denn, ein Albtraum hätte ihn aus dem Schlaf gerissen. Oder das Dröhnen vom Himmel, das die Gegner eines Ausbaus des Frankfurter Flughafens beklagen. Die im Planfeststellungsbeschluss genehmigten 17 Nachtflüge bedeuteten für zehntausende Menschen, dass sie zusätzlich alle zwanzig Minuten um den Schlaf gebracht würden.

Das sei unverantwortliche Panikmache, halten die Fluggesellschaften dagegen. Schließlich würden derzeit in Frankfurt etwa dreimal so viele Starts oder Landungen in diesen Stunden abgewickelt. Das vom Verkehrsministerium zugebilligte Kontingent erlege vielmehr der Luftfahrtbranche ein zu großes Opfer auf, weil sie die gerade im Frachtverkehr wichtigen weltweiten Verbindungen nicht aufrechterhalten könne.

Wie viele Flüge in Frankfurt nach Inbetriebnahme der dritten Landebahn in der Zeit zwischen 23 und 5 Uhr abgewickelt werden dürfen, ist ungewisser denn je. Die langfristigen Prognosen schwanken zwischen null, wie es der Flughafenbetreiber Fraport AG mit dem Ausbau beantragt hatte, und einer nach oben hin offenen Zahl. Zwar hat der Hessische Verwaltungsgerichtshof das Verkehrsministerium des Landes aufgefordert, den Planfeststellungsbeschluss zu überarbeiten, weil der Spielraum für Nachtflüge „annähernd null“ sei. Aber die Landesregierung hat Revision eingelegt: Sie erwartet, dass das Bundesverwaltungsgericht ihre Auffassung teilt, gerade für den Frachtverkehr sei in der Kernnacht jenes Kontingent „unabweisbar“. Der zuletzt steile Anstieg der Cargo-Umsätze am Frankfurter Flughafen ist in der Wirtschaftskrise nicht gerade ein schlechtes Argument.

Dennoch: Wie die Richter in Leipzig, vermutlich in der ersten Jahreshälfte 2011, entscheiden werden, darüber lässt sich anhand früherer Urteile nur spekulieren. Wahrscheinlich werden sie zu der Kardinalfrage, die das größte Infrastrukturprojekt in Deutschland betrifft, eine eigene Lösung entwickeln wollen. Zu erwarten ist von ihnen allerdings keine konkrete Zahl, sondern sie werden sich auf Leitlinien beschränken, anhand deren das Genehmigungsverfahren zum Teil noch einmal aufgerollt werden muss. Dann herrscht zwar die von Hessens Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) erwünschte Rechtssicherheit. Aber es muss ein Planergänzungsverfahren eingeleitet werden, das – siehe Großflughafen Berlin – vermutlich mindestens zwei weitere Jahre dauern wird.

Niemand vermag derzeit zu sagen, wie in dieser Phase eine Übergangsregelung für Nachtflüge aussehen könnte. Schwer vorstellbar erscheint jedoch, dass die Nordwest-Landebahn tagsüber mit voller Leistungskraft in Betrieb geht und nachts weiter wie bisher geflogen wird.

Unterdessen wächst bei der Bundesvereinigung gegen Fluglärm und in den Fluglärmkommissionen die Sorge, die Luftverkehrsbranche sei dabei, unabhängig von anstehenden Gerichtsentscheidungen auf politischer Ebene die Waage zu ihren Gunsten ausschlagen zu lassen. Trotz anderslautender Absichtserklärungen von Union und FDP werde daran gearbeitet, den Passus im Berliner Koalitionsvertrag, der den Flughäfen „international wettbewerbsfähige Betriebszeiten“ und eine „gleichberechtigte Abwägung von wirtschaftlichen Erfordernissen und Lärmschutz“ verspricht, möglichst bald wirksam werden zu lassen.

Die Lärmgegner wissen: Die Bundesregierung teilt – wie schon die große und die rot-grüne Koalition zuvor – die Ansicht der Arbeitsgemeinschaft deutscher Flughäfen (ADV), die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands im harten Wettbewerb müsse gestärkt werden. Die ADV will gewappnet sein, sollte das Bundesverwaltungsgericht seine Tendenz verstärken, der Nachtruhe der Bevölkerung stärkeres Gewicht beizumessen. Angestrebt wird eine Änderung der insofern zentralen Bestimmung im Luftverkehrsgesetz: Noch heißt es in Paragraph 29b Absatz 1 Satz 2: „Auf die Nachtruhe der Bevölkerung ist in besonderem Maße Rücksicht zu nehmen.“ Nach Ansicht der Flughäfen muss der Gesetzgeber klarstellen, dass ein Flugbetrieb nachts damit nicht ausgeschlossen werden könne.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat zugesichert, eine mögliche Gesetzesänderung werde jedenfalls keine „Lex Frankfurt“ – will heißen, sie soll in dem Rechtsstreit vor dem Bundesverwaltungsgericht noch keine Bedeutung erlangen. Ob das tatsächlich so sein würde, darüber streiten sich derzeit die Verwaltungsjuristen. Eine solche Neubewertung der Interessen durch den Gesetzgeber würde für den größten deutschen Flughafen jedoch langfristige Folgen haben. Fluggesellschaften könnten neue Klagen darauf stützen, dass eine stark limitierte Zahl von Nachtflügen in Frankfurt nicht mehr dem Bedarf und der neuen Rechtslage entspreche.

Alle Spekulationen über neue nationale Regelungen des Nachtflugs könnte freilich die Europäische Union durchkreuzen. Angesichts ähnlicher Konflikte in London, Paris oder Amsterdam mehren sich die Rufe, die Gemeinschaft müsse für einen gerechten Ausgleich der Interessen sorgen. Die Neigung, das Thema an sich zu ziehen, soll in Brüssel nicht gering sein.


Bisher in der Serie erschienen: Der Lärmteppich über der Region – wie nach dem Ausbau die Belastung verteilt wird (15. Juni)

http://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/epaper/img/space.gifFrankfurter Allgemeine Zeitung vom 17.06.2010 Seite 41

 

Grüne verwundert über Baubeginn http://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/epaper/img/space.gifhttp://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/epaper/img/space.gif

h.r. DARMSTADT. Die Fraktion der Grünen hat den Beginn umfangreicher Bau- und Sanierungsarbeiten auf der Mathildenhöhe (F.A.Z. vom Mittwoch) mit Verwunderung zur Kenntnis genommen. „Uns liegt weder eine Aufstellung über die Kosten, die nun auf die Stadt zukommen, vor, noch eine Aussage, ob und mit wie viel sich das Land Hessen an den Maßnahmen beteiligt – geschweige denn, wie das Ganze finanziert werden soll“, sagte die kulturpolitische Sprecherin der Fraktion, Hildegard Förster-Heldmann. Sie erinnerte daran, dass die Gesamtkonzeption zur Weiterentwicklung der Mathildenhöhe vor mehr als einem Jahr beschlossen wurde mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass Zeitplan, Kosten und Finanzierung noch zu konkretisieren seien. Das sei bislang aber nicht geschehen. In Zeiten, in denen die Stadtverordneten mit einem Haushaltssicherungskonzept umfassende Sparmaßnahmen umzusetzen versuchten, sei das Vorgehen von Oberbürgermeister und Kulturdezernent Walter Hoffmann (SPD) zu kritisieren. Es entstehe der Eindruck, so Förster-Heldmann, „dass alle Dezernate sparen müssen – außer dem des Oberbürgermeisters“. Aber auch auf der Mathildenhöhe dürfe kein Spatenstich gemacht werden, bevor ein Finanzierungskonzept auf dem Tisch liege.

Wie berichtet, hat die Denkmalpflege insgesamt 14 Projekte benannt, die in den nächsten Monaten angegangen werden sollen – von der Sanierung des Hochzeitsturms über die Restaurierung der Hoetger-Plastiken bis zu Sicherungsarbeiten am Haus von Joseph Maria Olbrich.

http://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/epaper/img/space.gifFrankfurter Allgemeine Zeitung vom 17.06.2010 Seite

 

„Eine Geschichte für heute“ Verein holt Anne-Frank-Wanderausstellung nach Darmstadt http://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/epaper/img/space.gifhttp://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/epaper/img/space.gif

h.r. DARMSTADT. Die aktuelle politische Frage, wer neuer Bundespräsident wird – Christian Wulff oder Joachim Gauck –, hat auch eine kleine Darmstädter Note. Ist Gauck doch Bundesvorsitzender des „Vereins gegen Vergessen – für Demokratie“, dessen regionale Arbeitsgruppe Rhein-Main gerade die ersten „Anne-Frank-Tage“ in Darmstadt organisiert.

Noch hofft deren stellvertretender Sprecher Klaus Müller, dass Gauck am 7. November nach Darmstadt kommen kann, um die Wanderausstellung „Anne Frank – eine Geschichte für heute“ zu eröffnen. Allerdings dürften sein Besuch und sein weiterer Terminkalender stark davon abhängen, für welchen Kandidaten sich die Bundesversammlung Ende des Monats entscheidet.

Dem Verein ist es gelungen, die Anne-Frank-Ausstellung, die vom Anne-Frank-Zentrum in Amsterdam erarbeitet und vom Anne-Frank-Zentrum in Berlin für den deutschsprachigen Raum umgearbeitet worden ist, nach Darmstadt zu holen. Sie soll im Zentrum der „Darmstädter Anne-Frank-Tage“ stehen, die vom 8. November bis zum 9. Dezember geplant sind.

Ort der Präsentation der Ausstellung, in dessen Mittelpunkt das berühmte Tagebuch und die Lebensgeschichte Anne Franks stehen, ist die Schlosskirche. Beabsichtigt ist aber, zahlreiche Begleitveranstaltungen auch an anderen Orten anzubieten wie Vorträge, Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen im Rex-Kino und Lesungen. Inzwischen hat sich ein Trägerkreis gegründet, der am Rahmenprogramm arbeitet und offen ist für alle Initiativen und Vereine, die sich, sagt Müller, „in Sachen Erinnerungsarbeit engagieren wollen und am Thema interessiert sind“.

Die Anne-Frank-Ausstellung wird seit einigen Jahren vor allem in Großstädten gezeigt. Obwohl die Präsentation in Darmstadt für die allgemeine Öffentlichkeit gedacht ist, wird sie ihren Fokus doch auf Jugendliche in Darmstadt und Umgebung richtigen. Angestrebt ist, alle Schulen der Stadt einzubeziehen sowie die Technische Universität Darmstadt. Neben dem Angebot von Schulungstagen für Lehrkräfte sollen in den Herbstferien auch rund 30 Schüler intensiver an das Thema herangeführt und zu „Teamern“ ausgebildet werden, die eigenständig Schulgruppen durch die Ausstellung führen können.

Zu den Förderern der Anne-Frank-Tage gehören der Darmstädter Kulturförderkreis, die Kulturfreunde Darmstadts, die HSE-Stiftung, der Deutsche FußballBund, Fraport und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit sowie die Stadt Darmstadt und die Technische Universität. Der „Verein gegen Vergessen – für Demokratie“ war 1993 vom Sozialdemokraten Hans-Jochen Vogel gegründet worden als überparteiliche Organisation, die an die Verbrechen des Nationalsozialismus und die DDR-Diktatur erinnert.

http://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/epaper/img/space.gifFrankfurter Allgemeine Zeitung vom 17.06.2010 Seite 55

 

FR

 

Bau mit wechselhafter Geschichte

Darmstadt Gebäudekomplex in der Kasinostraße 37 wird Altenwohn- und Pflegeheim

In diesen Mauern ist viel passiert. Davon kündet nicht nur die verbürgte wechselhafte Geschichte des über 100 Jahre alten Hauptgebäudes, in dem als letzter zahlender Nutzer die Standortverwaltung der Bundeswehr residierte. Davon erzählen auch Spuren in den Gängen und an den Wänden: Sie zeigen, dass nach dem Auszug des Militärs im Jahr 2004 das Haus in der Kasinostraße 37 keineswegs in einen Dornröschenschlaf verfiel, sondern dass in den scheinbar leerstehenden Räumen ein geheimes Leben herrschte.

Seit Montag wird der Komplex aus einem gründerzeitlichen Haus, zwei jüngeren Anbauten sowie Garagen und Lagerräumen von Unrat und Schutt befreit. Die meisten Gebäude werden noch in diesem Monat abgerissen. Ob das Haupthaus ganz oder nur teilweise erhalten wird, muss noch mit dem Denkmalschutz geklärt werden, sagte Harro Hellwege, Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Merkur Sozialimmobilien. Das Unternehmen errichtet auf dem Areal ein Alten- und Pflegeheim für 154 Bewohner.

Das Innere des Gebäudes bietet derzeit noch ein Bild der Verwahrlosung: die Böden übersät mit Splittern, Verpackungsmaterialien, zersplitterten Kacheln und Fliesen, Brettern und verbogenen Stangen sowie Hunderte von Farbspraydosen. Damit sind in den vergangenen Jahren von ungebetenen Eindringlingen die Werke geschaffen worden, die sämtliche Wände überziehen: Graffitis in jedem Format.

Aber das Sprühen raffinierter Schriftzüge war nicht der einzige Zeitvertreib der uneingeladenen Gäste. Fast bei jedem Schritt tritt man auf erbsengroße gelbe Kunststoffkügelchen: Munition für Soft-Air-Waffen, also Druckluftpistolen. Damit wurde in dem verschachtelten Komplex offensichtlich wild herumgeballert.

Auch die Bundeswehr hat ihre Spuren hinterlassen: Türschilder mit typischen Abkürzungen oder, vor einer schweren Tresortür im Erdgeschoss, ein Stoß vergilbter Schreibmaschinen-Formulare: "Bitte genau lesen und beachten! Merkblatt über die richtige Behandlung des bei der Auszahlung des Entlassungsgeldes ausgehändigten Verrechnungsschecks."

Eigentlich hätte das ganze Chaos bereits vor anderthalb Jahren beseitigt und mit dem Bau des modernen Heims begonnen werden sollen. Dies hatten das Unternehmen Merkur und die Arbeiterwohlfahrt Südhessen - sie wird das fertige Heim für 25 Jahre mieten und betreiben - im Sommer 2008 angekündigt.

Doch der Grundstückskauf verzögerte sich; Hellwege deutet an, dass sich die Besitzerfamilie intern nicht einig war. "Seit Freitag sind wir endlich Grundstückseigentümer", freut sich der Merkur-Geschäftsführer.

Nach der langen Wartezeit wurde kein Tag mehr verloren. Die Baugenehmigung war am 3. März erteilt worden, die Bank bestätigte ihre Finanzierungszusage. In Windeseile wurden zwei Bauschutt-Container vor das Gebäude gestellt, die von den Arbeitern rasch gefüllt werden.

Bereits in einem Jahr soll das fertige Altenwohn- und Pflegeheim bezogen werden. Vorgesehen sind 84 Einzel- und 19 Doppelzimmer in einem Gebäuderiegel entlang der Kasinostraße - dort ist bislang eine von Skatern genutzte Freifläche - sowie 16 Wohnungen für betreutes Wohnen im rückwärtigen Haupthaus. Zwischen beiden Wohngebäuden befindet sich nach dem Entwurf des Architekten Gerhard Thiele (Rüsselsheim) ein niedrigerer Verbindungstrakt mit dem Haupteingang samt Foyer und einem Restaurant.

Den Eingang markiert ein Säulenportal, das nach Hellriegels Worten als einziger Gebäudeteil unter Denkmalschutz steht und restauriert werden soll. Auch ein halbrunder Fassadenvorsprung soll erhalten werden - je nach Zustand im Original oder als architektonisches Zitat.

Hinter dem Hauptgebäude wird eine kleine Gartenanlage geschaffen. Die alten Bäume an der Nord- und Südseite des 3400 Quadratmeter großen Grundstücks sollen stehen bleiben. Unter dem Heim wird es Tiefgaragen-Stellplätze geben. Die Baukosten gibt Merkur mit zwölf Millionen Euro an.

Man habe den Bedarf an Pflegeheim-Betten in Darmstadt ermitteln lassen und sei auf etwa 150 fehlende Plätze gekommen, die nun geschaffen würden, berichtet der Geschäftsführer des Immobilienunternehmens: "Wir wollen keinen Verdrängungswettbewerb." Andernfalls hätte es auch keine Unterstützung der Banken gegeben.

Die Merkur-Gruppe hat nach Harro Hellweges Angaben bereits sechs Heime in Zusammenarbeit mit dem Rüsselsheimer Architekturbüro errichtet.

Die Arbeiterwohlfahrt freut sich vor allem über die attraktive innenstadtnahe Lage des neuen Altenwohn- und Pflegeheims. Die Fußgängerzone der Innenstadt sowie die Städtischen Kliniken seien bequem zu Fuß zu erreichen. bad

 

Zuviel Luxus

Kritik an Designerausstattung in Zentrale des Stadtkonzerns HSE

Die CDU in Darmstadt nimmt Anstoß an der Innenausstattung der neuen Konzernzentrale der Heag Südhessische Energie AG (HSE), die nach Ansicht des sozialpolitischen Sprechers Wilhelm Kins zu luxuriös ausgefallen ist. Die HSE hat den Neubau auf dem ehemaligen Knell-Gelände von einem Investor angemietet.

Gegen einen Neubau wäre nichts einzuwenden, so Kins, wenn dieser die Arbeitsbedingungen verbessere, was letztlich den Kunden der HSE zugute käme, und man bei der Ausstattung mit einem gerüttelt Maß Bescheidenheit zu Werke gehe.

Kein Verständnis habe man allerdings, wenn der repräsentative Charakter fast schon provokativ in den Vordergrund gerückt werde. Im Eingangsbereich gebe es ein Dutzend Luxus-Designersessel, das Stück zu rund 5000 Euro. Hinter vorgehaltener Hand sei der luxuriöse Neubau schon länger ein Thema, erklärte der CDU-Politiker und fügte hinzu: "Deshalb will die CDU jetzt Auskunft vom Aufsichtsratsvorsitzenden der HSE, Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD)." Kins hat dazu eine Kleine Anfrage an den Magistrat gerichtet.

Die HSE sei ein national agierendes Unternehmen mit 1,4 Milliarden Euro Jahresumsatz und 2500 Mitarbeitern, das sich nicht an kommunalpolitischen Scharmützeln beteilige, sagte HSE-Pressesprecher Jürgen Hein-Benz gestern auf Nachfrage. Dafür seien der HSE Darmstadt, die Region und die Arbeitsplätze im Unternehmen zu bedeutsam. Die HSE sei eine Aktiengesellschaft, in der der Aufsichtsrat das entscheidende Forum sei, "in dem auch ein Vertreter der betreffenden Partei seine Fragen vorbringen kann und wo sie beantwortet werden", betonte Hein-Benz.

Für die CDU sitzt ihr Fraktionsvorsitzender und Landtagsabgeordnete Rafael Reißer in dem Gremium. Die Innenausstattung sei im Aufsichtsrat nie ein Thema gewesen und gehöre dort wohl auch nicht hin, antwortete er auf Nachfrage.

Das Thema der luxuriösen Ausstattung der HSE "wabert schon seit längerem durch die Stadt", so Reißer. Die Sozialpolitiker seiner Partei hätten das jetzt aufgegriffen: "Das kann man ja auch wirklich hinterfragen". Die CDU habe ein großes Interesse daran, dass städtische Tochterunternehmen ihrer Vorbildfunktion gerecht würden und ihrer sozialen Verantwortung nachkämen, betonte Kins. Dazu zähle Glaubwürdigkeit ebenso wie wirtschaftlicher Mitteleinsatz.

Die Christdemokraten hätten daher bereits die üppige Pension für HSE-Vorstandsmitglied Holger Mayer nicht mitgetragen und die vom HSE-Aufsichtsratsvorsitzenden Hoffmann vertretene Regelung zu diesem Punkt heftig kritisiert. "Es kann nicht sein, dass die Bürgerschaft die katastrophale Haushaltslage voll zu spüren bekommt, während man es sich an anderer Stelle im Stadtkonzern derart gut gehen lässt", urteilte Kins. ryp

 

Ein bisschen freundlicher

Ranking zu Geschäftswelt

Vergiftetes Lob für die Darmstädter Einzelhändler: Beim Merkmal Freundlichkeit haben sich die örtlichen Geschäfte im Urteil der Kunden im bundesweiten Städtevergleich in den vergangenen drei Jahren um acht Plätze verbessert, teilt das Marktforschungsinstitut MF Consulting mit. Darmstadt erreicht damit allerdings gerade mal Platz 118 von 127 untersuchten Städten.

Das Institut aus Deggendorf untersucht regelmäßig die Meinung von Kunden über Beratung, Service und Freundlichkeit in Geschäften in deutschen Städten.

77,5 Prozent der Befragten in Darmstadt hätten sich mit der Freundlichkeit zufrieden gezeigt, erklärt Marc Loibl von MF Consulting. Vor drei Jahren seien es nur 74,7 Prozent gewesen. "Damit bleibt Darmstadt weiter am hinteren Ende des Deutschlandvergleichs, kann aber die hessischen Unter

suchungsorte Fulda und Kassel überholen." Gut beraten fühlten sich laut Studie 73,8 Prozent (2007: 68,7 Prozent). In der Kategorie Preis-Leistungs-Verhältnis legt Darmstadt um 3,1 Prozentpunkte auf 69,6 Prozent zu.

Auf die schlechte Einstufung der Freundlichkeit in Darmstadts Geschäften "gebe ich nicht viel", sagte gestern Karl-Heinz Göttert, Vorsitzender des Vereins Darmstadt Citymarketing. Es gebe verschiedene Studien, die mit unterschiedlichen Methoden arbeiteten. "Unbestritten ist aber, dass wir in Darmstadt einen Riesenschritt nach vorn gemacht haben" angesichts der Bedrohung durch das neue Einkaufszentrum Loop 5 in Weiterstadt: "Dafür hat jeder etwas getan." bad

 

Keine neue Bleibe für die Hausbesetzer

Leerstehende städtische Wohnungen nur für Familien und konkrete Projekte verfügbar

Eigentlich waren die Besetzer der Neckarstraße 5 davon ausgegangen, dass sie bei ihrem Termin mit Wohnungsdezernent Jochen Partsch (Grüne) ein Ersatzobjekt angeboten bekommen. So hatten sie den Einsatzleiter der Polizei verstanden, weshalb sie das leerstehende ehemalige Telekom-Bürogebäude, das inzwischen privaten Investoren gehört, einen Tag nach der Besetzung vor rund zwei Wochen freiwillig geräumt haben. Doch die Stadt hat kein Ersatzgebäude, teilte Partsch vier Vertretern der Besetzer gestern mit.

Er könne ihr Anliegen verstehen, sagte der Dezernent, und habe zur Kenntnis genommen, dass politische Forderungen damit verbunden seien. "Sie haben es nicht auf einen Konflikt ankommen lassen, was ich gut finde", lobte er. Eine Alternative könne er dennoch nicht bieten.

Die Stadt besitze zwar leerstehende Wohnungen - Leerstand lautet ein Vorwurf der Besetzer -, aber die seien nicht beziehbar. Und es sei nicht Aufgabe der Stadt, Wohnungen mietfrei zur Verfügung zu stellen. Der Leerstand werde an den Bauverein verkauft, von ihm saniert, und die Stadt erhalte Belegrechte, um Bedürftige unterzubringen.

Drei Prioritäten habe die Stadt, die als Zuzugsgebiet und trotz Siedlungsbeschränkung laut Sicherungskonzept im Jahr 600 neue Wohnungen schaffen müsse: Wohnen für Familien, für Menschen mit wenig Einkommen und für Wohnprojekte. Wenn die Besetzer ein Konzept für ein alternatives Projekt erstellten, sei eine mittelfristige Unterstützung möglich - allerdings in Konkurrenz mit den anderen Projekten, die es schon gebe.

Sich mit einem Konzept für eine alternative Wohnform etwa um eines der Gebäude auf den Konversionsflächen zu bewerben, kommt für die Besetzer auch aus finanziellen Gründen nicht in Frage. Sie hätten sich zudem das Haus in der Neckarstraße ausgesucht, weil es nicht nur Wohnraum für die 25 bis 30 Leute geboten hätte, sondern auch Räume für Veranstaltungen, sagte eine Sprecherin. Partsch will nun versuchen, einen Kontakt zum Eigentümer eines der leerstehenden Bürogebäude in der Stadt herzustellen. rwb

 



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